Gommer Höhenweg /Oberwald - Münster, 09.10.2020

Ein besonderer Charakterzug von Doris, unserer Tourenleiterin, ist offensichtlich ihre Ausdauer, der wir diesen schönen Tag verdanken. Fünf wetterbedingt verschobene Termine, sich erstreckend über 3 Jahre, mussten dafür vergehen.
Oberwald, das erste Dorf am Beginn des Rohnetals, wird überragt von Grimsel und Furka. Der Rotten, der unsere Wanderung im Tal begleitet, ist hier seinem Ursprungsort, dem Rhonegletscher, noch nahe.
Ein kurzer Anstieg an der Südflanke des Hochtals führt uns auf den in südliche Richtung führenden Gommer Höhenweg, oberhalb des Rhonetals mit seinen Dörfern. Typisch für diesen Pfad ist die ausgeprägte wellenförmige Wegführung, mit einzelnen kurzen, verwurzelten Kletterstellen und steiler abfallenden Abschnitten. Zahlreiche Metallgitter- oder Holzbalkenbrücken führen uns über Einschnitte durch Felsfaltungen und gletschergespeiste Bergbäche, die sich herunterstürzend ihren Weg ins Tal gegraben haben. Hubschrauber entfernen diese Überquerungshilfen im November, wenn die sportlichen Aktivitäten sich ins Tal verlagern.
Wir wandern immer wieder staunend durch Föhren-, Lerchen- und Birkenwälder, die zum Schutz des Tales angepflanzt wurden. Der beginnende Herbst zeigt sich in zögernden farblichen Veränderungen. Besonders das Laub der Birken erfreut uns durch grün-gelbe Töne, die mit aufkommender Sonneneinstrahlung stärker hervorgehoben werden. Bewundernd betrachten wir verrottete Baumstümpfe, auf denen eine Vielzahl unterschiedlicher kleiner Sträucher und Gräser wachsen. Auffallend sticht hier und da der rote Kopf eines Fliegenpilzes aus dem Grün-Braun des Waldbodens hervor und eine Aspisviper flüchtet, gestört durch die vorbei Wandernden, in ihre Höhle unter den Wurzeln eines alten Baumes. Nur vereinzelt sehen wir Blumen wie Silberdisteln und einen einsamen Frühlingsenzian. Sicherlich dokumentiert kein Wanderführer den «Weg der Erleichterung», der uns hier begegnet. Die Exkremente verschiedenster Tiere müssen aufmerksam umgangen werden, natürlich begleitet vom Versuch der Zuordnung und Gelächter. Wir pausieren am höchsten Punkt unserer Wanderung (1712 Hm) oberhalb Ulrichen, mit einem herrlichen Ausblick auf die zuoberst frisch beschneiten Berge, wie die Ritzhörner, deren Gletscher noch in der Nachmittagssonne beeindruckend leuchtet, dem Blinnenhorn und im Süden die Schneespitzen vieler Drei- und Viertausender, unter ihnen das Weisshorn.
Nun ist es nicht mehr weit zum Ziel unserer Unternehmung. Ein letzter Anstieg wird bewältigt, dann der sanfte Abstieg nach Münster, dem Hauptort des Goms. Im 400 jährigen Restaurant «Croix D’Or» geniessen wir verdienterweise Zwetschgenkuchen und erfrischende Getränke.
Liebe Doris, unser aller herzlichster Dank für diesen erfüllenden Tag gebührt dir wahrhaftig.

Anila