Rundwanderung im ALTO MALCANTONE auf dem SENTIERO del CASTAGNO
(Arosio-Mugena-Vezio-Fescoggia-Arosio)
Wieder einmal wandern im TESSIN , von AROSIO aus im Alto Malcantone , das mit fünf andern kleineren Bergdörfern zum Bezirk Lugano gehört.
Bethli , unsere umsichtige Wanderleiterin, wie immer mit einem grossen Rucksack, hat diesmal in ihm Gipfeli für uns alle auf die lange Zugfahrt eingepackt, was uns mehr als gelegen kommt. Grazie mille, Bethli !
Kurz nach Lugano mit Umsteigen nach Lamone gehts mit dem Postauto in vielen Kurven, links wie rechts, nichts als vollbehangene, hellgrüne, stachelige Kugeln an den Edelkastanienbäumen hinauf, nach AROSIO PAESE , 859m.ü.Meer.
Der Capuccino muss noch etwas warten, denn wir besichtigen noch die KIRCHE SAN MICHELE mit der alten, verwitterten Eingangstür aus Kastanienholz und die schlicht gestaltete Sonnenuhr aus dem 16.Jh.
Nach dem feinen Capuccino macht Bethli uns noch auf Sehenswertes und Interessantes des SENTIERO deI CASTAGNO aufmerksam, zu dem wir jetzt aufbrechen.
Eindrücklich diese Kastanienwälder, die hier im Tessin SELVEN heissen, teils knorrig und alt, wechseln ab mit Birken, Wiesen und kleineren Bächen.
Die Trockenheit dieses Sommers ist auch hier zu sehen . Es liegen schon viele braune „Kugeli“ am Boden und auf dem Weg. Immer wieder bückend unsere Wanderinnen, um einige dieser Früchte heim zu nehmen.
Die Kastanie war früher ein Grundnahrungsmittel der Bevölkerung im Malcantone, es war „das Brot des armen Mannes“. Mangels Getreide, das in dieser hügeligen, bewaldeten Landschaft nicht angepflanzt werden konnte, wurde in Steinhäuser, den GRA, die von der Schale befreiten Früchte auf Holzgittern ausgelegt und über dem Feuer im Rauch schonend getrocknet, umso monatelang die geerntete Kastanie haltbar zu machen und dann zu Mehl gemahlen. Daraus buk man Brot, oder es wurde zu Suppen und Brei gekocht. Auch wurde die Kastanie roh oder geröstet oder gekocht gegessen.
Das witterungsbeständige Holz wurde für den Hausbau, Zäune, Rebstöcke und als Brennholz gebraucht, und ein MEILER nahe am Weg, weist darauf hin, dass einst hier auch Köhler Holzkohle herstellten.
Das Laub der Bäume diente im Stall als Spreu und auch zum Füllen der Bettsäcke (Matratze).
Dem Vieh und den Schweinen verfütterte man auch die stärkereichen Früchte.
Und nicht zuletzt galt die Kastanie auch als ein Heilmittel gegen Rheuma und Gelenkschmerzen und für gute Durchblutung , (eine Kastanie im Sack, immer wieder mit den Fingern bewegen !) Die SELVEN, Kastanienwälder sind auch heute noch ein natürlicher Schutz vor Waldbränden.
Auf einem interessantern, geschichtsträchtigen Weg durch eine schöne Kulturlandschaft sind wir gewandert, der uns Bethli am Schluss noch mit einem feinen, selbstgebackenem Apfel/MARRONI Kuchen, zum Tag passend, versüsste.
GRAZIE Bethli